Berechnung der Stützlast und was man beachten sollte

Stützlast berechnen

Die Stützlast des Wohnwagen, das ewige Thema was gilt es zu beachten?

Das zulässige Gesamtgewicht und die Stützlast sind die wichtigsten Werte welche es bei der Beladung des Wohnwagens (oder Anhängers im Allgemeinen) zu beachten gilt. Was ist eigentlich die Stützlast, wie berechnet man diese und wie wirkt sich diese auf die Fahreigenschaften eures Zugfahrzeuges aus? Geht es ohne eine Stützlastwaage oder ist die Nutzung einer solchen sehr sinnvoll? Für die Berechnung der Stützlast findet Ihr am Ende noch ein paar hilfreiche Formeln.

 

Jeder sollte sich mit dem Thema befassen, da man mit einer falschen Stützlast zur Gefahr im Straßenverkehr werden kann und das möchte keiner. Aus diese Grund ist die einmalige Investition in eine Stützlastwaage oft eine sehr gute Idee und kann im nachfolgenden viele Kosten zum Beispiel bei einem überladenem Wohnwagen in der Kontrolle oder Reparaturkosten entstanden z.B. durch einen Unfall sparen.

 

Wann spricht man von einer Stützlast?

Das Gewicht mit welchem die Deichsel des Wohnwagens (Anhängers) auf die Anhängerkupplung am Zugfahrzeug drückt. Je größer die Stützlast, umso tiefer liegt unser Zugfahrzeug im Heckbereich.

 

Zu hohe oder zu geringe Stützlast

Zugfahrzeug und Wohnwagen (Anhänger) haben beide eine separate Stützlast Angabe, welche den Fahrzeugpapieren entnommen werden kann. Unter Teil 1 Feld 13 kann man den Wert in neueren Fahrzeugscheinen finden. Sollte man ein älteres Fahrzeug sein eigen nennen so muss man nach einem Aufkleber an diesem suchen welcher Auskunft über die zulässige Stützlast gibt.

Zugfahrzeug und Wohnwagen (Anhänger) haben meistens unterschiedliche zulässige Stützlasten. Sollte dies der Fall sein, so muss man sich an dem niedrigeren der beiden Werte orientieren.

Laut STVO gibt es eine minimale Stützlast für Anhänger bis 3,5t welche nicht unterschritten werden darf. Die minimale Last wird mit 4% aber nicht mehr als 25kg beschrieben. Man sollte den Wert aber nicht als Ziel nehmen, warum wird später bei den Fahreigenschaften erklärt.

Wie belädt man ein Wohnwagen richtig?

Es fängt schon beim Leergewicht des Wohnwagens an. Manche Hersteller sind nachlässig beim Wiegen der einzelnen Anhänger, so dass nicht immer das korrekte Gewicht unter Ziffer G im Fahrzeugschein aufgeführt wird. Wenn man hier sicher gehen möchte, sollte man nach Erhalt selber über eine Waage fahren. Eine Berechnung der Stützlast ist nur mit hohem Aufwand möglich und nicht so genau wie eine Waage.

 

Beim beladen des Wohnwagens sollte man so nah als möglich an die zulässige Stützlast (Erinnerung wir meinen die kleinere von Zugfahrzeug und Wohnwagen). Je näher man an diesem Wert ist, umso besser läuft der Wohnwagen hinter dem Zugfahrzeug her. Er liegt besser auf der Straße, neigt weniger zum Aufschaukeln und lässt sich besser im gesamten steuern.

 

Warum ist eine korrekte Beladung wichtig?

 

Wird unser Wohnwagen falsch bzw. Überladen, kann dies zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko führen. Der Wohnwagen kann beginnen zu schlingern oder sich aufzuschaukeln, so dass man die Kontrolle über das gesamte Gespann verlieren kann, dies kann nicht nur zu schweren Unfällen sondern auch zum umkippen des Wohnwagens führen. Neben einer richtigen Beladung und sicheren Fahrweise kann hier eine sogenannte Antischlingerkupplung und/oder ein elektronisches Sicherheitssystem helfen solche Situationen zu vermeiden. Sollte das Gespann anfangen zu schlingern oder sich aufzuschaukeln, so hilft es nur noch die Geschwindigkeit sofort zu reduzieren (KEINE VOLLBREMSUNG!!!) um das Gespann wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Ein Ansaugen beim Überholen von LKW´s oder überholt werden von größeren Fahrzeugen (z.B. Durch Busse) stellt ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Je schlechter der Wohnwagen (z.B. zu hoher Schwerpunkt) beladen wurde, desto größer ist die Gefahr das man hier aus seiner Bahn geworfen werden kann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Beladens ist der Fahrkomfort und der Spritverbrauch. Ein richtig beladenes Gespann lässt sich deutlich besser lenken und entspannt manövrieren, auch der Spritverbrauch sinkt hierdurch deutlich.

 

Stützlast zu hoch

 

Eine zu hohe Stützlast ist jedoch zu vermeiden, da sich infolge einer solchen dann die positiven Effekte des Fahrkomforts  in negative ändern. Also bitte nicht noch dem Motto „Viel hilft viel“ handeln. Nachfolgende Probleme können durch eine zu hohe Stützlast verursacht werden:

  • Überlastung der Anhängerkupplung des Zugfahrzeuges, versagen des Materials dieser
  • Überbeanspruchung der Hinterachse bis hin zum Brauch einer Feder
  • Aushebeln des Zugfahrzeuges, die Vorderachse wird entlastet und die Lenkfähigkeit kann beeinträchtigt werden
  • Verlängerung des Bremsweges

 

 

 

Folgen einer zu geringen Stützlast

 

Zu wenig Gewicht ist auch nicht gut. Folgende Probleme können bei zu wenig Gewicht auftreten:

  • Erhöhte Gefahr des Schlingerns
  • Anhängerkupplung wird auch hier überbeansprucht
  • Überlastung der Vorderachse
  • Der Wohnwagen kann sich vom Zugfahrzeug lösen
  • Verlängerter Bremsweg

 

 

Wohin mit welchen Sachen für eine gute Fahrdynamik?

 

  1. Leichte Sachen (z.B. Normal verpackte Lebensmittel wie Brot oder Haferflocken, leichte Kleidung oder leichtes technisches Equipment) —> in die Oberschränke
  2. Mittleres Gewicht (z.B. Kochgeschirr, Schuhe usw.) —> Bodenhöhe Stauräume
  3. Schere Sachen (z.B. Wasservorräte, Werkzeugkisten) —> möglichst tief um die Achse herum, bzw. Zwischen Achse und Deichsel lagern

 

Kann man die Stützlast berechnen und wenn ja wie?

 

Eines vornweg, berechnen ist hier zwar möglich, wenn man alles wiegt und den genauen Standort kennt, jedoch mit einem Zeitaufwand verbunden, der jeglichen Rahmen sprengt. Die sicherste Methode ist das Wiegen, hierfür gibt es im Handel spezielle Waagen.

Um ein Gefühl zu bekommen reicht als erster Schritt aber auch ein Holz und eine alte Personenwaage. Wichtig ist hier, wie auch bei allen anderen Messmethoden, immer auf Höhe der Anhängerkupplung des Zugfahrzeuges zu messen. Nehmt euch ein Vierkant oder besser noch ein Rundholz mit einem Durchmesser kleiner 50mm. Das Holz stellt ihr neben die Anhängerkupplung euers Zugfahrzeuges auf die Waage. Jetzt kürzt Ihr das Holz so das dieses Oberkanten bündig mit der AH eueres Zugfahrzeuges ist. Stellt man das Holz und die Personenwaage nun unter die Deichsel des Wohnwagens und lässt dies über das Stützrad herab bis das Bugrad kein Kontakt mehr zum Boden hat kann man das Gewicht von der Waage ablesen.

Als elegantere Methoden (im Vergleich zur Berechnung der Stützlast) haben sich spezielle Stützlastwagen herausgestellt. Hier gibt es verschiedene Modelle welche sich in Preis und Handhabung zum Teil stark unterscheiden.

 

Digitale Stützlastwaage

Diese Waage ist im Grunde ein höhenverstellbarer Stab in welchem eine digitale Stützlastwaage integriert ist. Hier muss man nichts sägen, sondern stellt den Stab auf die passende Höhe der Anhängerkupplung des Zugfahrzeuges ein.

Waage mit Feder

 

Diese Federwaage ist eine günstigere Variante die einfach unter der Deichsel positioniert wird. Nach Absenken des Stützrades kann man den Wert an einer Skala ablesen. Man muss bei dieser Waage eine Abweichung von bis zu 4% in Kauf nehmen.

Stützrad mit integrierter Waage

Die Firma AL-KO bietet ein Stützrad mit integrierter Stützlastwaage an welches einfach mit dem vorhandenen ausgetauscht wird. Da sich das Rad nicht am vordersten Punkt der Deichsel befindet ist das Ergebnis ohne eine nachfolgende Berechnung verfälscht. In der Bedienungsanleitung findet sich die entsprechende Formel, die eine Umrechnung möglich macht. Wenn man mit dieser Berechnung einmal den idealen Wert an der Skala markiert hat kann man sich ab diesem Zeitpunkt das rechnen sparen. Diese Variante wird von 90% aller Wohnwagen Besitzer bevorzugt, da es das System mit der geringsten Fehleranfälligkeit darstellt.

Ausgleich bei zu hoher oder zu geringer Stützlast

 

Was kann man tun, wenn man feststellt das sich der Wert z.B. Weit unterhalb der maximal zulässigen Stützlast befindet? Kurz gesagt, die schweren Sachen weiter nach vorne. Bei einer zu hohen Stützlast dann alles nach hinten. Hier sollte man jedoch aufpassen das Zuviel Gewicht am Heck zu schlechten Fahreigenschaften führt. Zusammenfassend sollte man die schwersten Dinge Bodennah kurz vor und hinter der Achse verstauen.

 

Sollte man nun die Stützlast erhöhen oder verringern wollen kann man nachfolgende Formel als Hilfestellung nutzen, um zu sehen wieviel Gewicht man wohin packen muss, um seine gewünschte Stützlast zu erreichen.

 

 

 

Formeln Möglichkeit 1 (Berechnung der Stützlast - Gewicht Deichsel reduzieren):

Stützlast reduzieren

 

Abstand der Last zur Achse in Richtung Heck    

 

a =  (-A * l) / F

 

Erforderliche Last zur Reduzierung der Stützlast

 

F = (-A * l) / a

 

Lastreduzierung infolge der zusätzlich verladenen Last

 

A = (-F * l) / a

 

Lasst uns ein kurzes Beispiel hierfür rechnen. Nehmen wir an das unsere Stützlast 80kg beträgt, jedoch zulässig nur 75kg sind. Somit müssen wir die Last um 20kg reduzieren. Wir haben noch den Kanister mit 10 Liter Wasser zu verstauen (F=10kg).

 

Gehen wir davon aus das der Abstand Stützrad zur Achse rund l=5,50m beträgt.

 

Zusammenfassung der bekannten Daten:

Stützlast 80kg (Achtung, für die Berechnung setzen wir hier die Differenzlast zwischen 80 und 75kg ein welche zulässig sind A = 5kg ein)

Abstand Stützrad – Achse l=5,5m

Gewicht unseres zu verstauenden Gegenstandes F=5kg

 

Somit haben wir nur noch die variable a nach der wir suchen. Setzt man alle Variablen in die erste Gleichung ein so erhält man nachfolgende Berechnung der Stützlast :

 

a = (-A * l) / F = (-5kg * 5,50m) / 10kg = 2,75m  wir müssten den Kanister 2,75m von Achse Richtung Heck verladen um unsere Stützlast um 5kg zu verringern.

 

 

Formeln Möglichkeit 2 (Berechnung der Stützlast - Gewicht Deichsel erhöhen):

 

Stützlast erhöhen

 

Differenz zwischen der zu geringen und der gewünschten Stützlast

 

A= (F * b) / l

 

Erforderliche Last zur Reduzierung der Stützlast

 

F = (A * l) / b

 

Abstand der Last zwischen Stützrad und Achse, gemessen von der Achse

 

b= (A * l) / F

 

In einem zweiten Beispiel wollen wir nun die Stützlast erhöhen. Nehmen wir an wir wollen den Wohnwagen zur Werkstatt bringen und dieser ist ohne Ladung. Um trotzdem eine gute Fahrdynamik zu bekommen ist das Ziel so nah als möglich an die zulässige Stützlast zu kommen.

 

Wir haben eine Stützlast von 60kg und unser Ziel sind wie schon im letzten Beispiel die 75kg, haben wir also eine Differenz von A=15kg. Abstand Stützrad zur Achse sind wie oben l=5,50m. Gehen wir davon aus das sich der Gaskasten in der Mitte zwischen Stützrad und Achse befindet b=2,75m.

 

Gesucht ist das Gewicht, welches wir benötigen, um die 15kg Stützlast zu bekommen. Hierzu nehmen wir die zweite Formel von oben zur Berechnung der Stützlast:

 

F = (A*l)/b = (15kg * 5,50m) / 2,75m = 30kg benötigen wir im Gaskasten um die 15kg zusätzliche Stützlast zu erreichen.

 

 

Ich wünsche allzeit gute und sichere Fahrt mit einer richtigen Beladung (hier fehlt nur noch der passende Fahrradträger)!